LIMES Flucht über die Berge

Roman von
Björn Reinhardt

Limes ist die Geschichte einer archaisch anmutenden Flucht über die Berge Transkarpatiens ins Herz Europas. Dabei stehen drei exemplarischen Flüchtlingen aus Syrien die unüberwindbar scheinenden Berge der Karpaten weniger im Weg, als die albtraumhaften Verwicklungen und menschlichen Schicksale in diesem uralten Lebensraum. Ihre erfolgreiche Flucht bringt die unterschiedlichen Kulturen letztendlich mehr zusammen, als viele europäische Bestrebungen und offiziellen Verlautbarungen es vorzugeben versuchen und erreichen.

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Kurzbeschreibung

In einem huzulischen Bergdorf mitten in den ukrainischen Bergen Transkarpatiens und nah der EU-Außengrenze, stranden während eines letzten Wintereinbruches drei syrische Flüchtlinge christlichen Glaubens. Im Schneesturm orientierungslos herumirrend, stoßen sie auf den Bergbauern Timoftei, der sich in dieser für alle schicksalsvollen Nacht betrunken im Schnee eingeschlafen die Finger abfriert. Bei ihm, seiner Ehefrau Motria und dem kurz zuvor geborenem Stefan finden sie für einige Tage Unterschlupf. Dieses wie ihre Vorfahren auf eintausend Höhenmetern in Schnee und Eis überwinternde ältere Ehepaar hilft ihnen bei ihrem Versuch, seit ihrem Entkommen aus Aleppo einen Weg nach Rumänien und von dort weiter nach Berlin zu finden. Auf der fortgesetzten Flucht erneut in den Bergen der ukrainischen Karpatenwelt verirrt, werden sie von marodierenden ukrainischen Migrantenjägern überfallen, ausgeraubt und schwer misshandelt. Dabei stoßen sie auf einen sich auf einer Recherchereise befindlichen deutschen Abenteurer und Buchautor, der sie beherzt und nicht ohne Risiko aus den Händen ihrer Häscher freikauft. Der Berliner Frank ist mit seiner Dolmetscherin Sarah und der jungen einheimischen Maria, die ihnen kurzzeitig als Bergführerin dient, unterwegs auf den Spuren des sagenumwobenen Bergvolkes der Huzulen. Gemeinsam mit dem Bergbauern Timoftei versuchen sie, den Syrern die nun dank Frank wie eine Expedition geplante komplizierte Flucht über die schneebedeckten Berge zu ermöglichen. Eine ihre Pläne vorerst durchkreuzende Naturkatastrophe hindert sie an der Umsetzung der Flucht, lässt aber währenddessen den Syrer Harun und das huzulische Mädchen Maria in einer gegenseitigen Liebe entflammen. Nach abenteuerlichen Verwicklungen gelingt schließlich dank der ortskundigen Hilfe Timofteis der illegale Grenzübertritt. Während die Deutschen noch ein huzulisches Osterfest in einem im Haupttal gelegenen Dorf erleben, und kurz darauf die traurige Hochzeit Marias, des unter Zwang mit einem Hirten verheirateten huzulischen Mädchen durchzustehen, helfen beide, Frank und Sarah, inzwischen ein Paar geworden, den Syrern von Rumänien bis nach Berlin zu gelangen. Ausgerechnet am Ziel ihrer Träume angelangt, verlieren die Syrer ihre Retter aus den Augen, weil sie in einem Erstaufnahmelager Opfer einer religiösen Auseinandersetzung mit radikalen Moslems werden und daraufhin von der Polizei in eine der vielen am Rande Berlins errichteten Containersiedlungen verlegt werden. Überraschend finden sie aber auf einer in Berlin stattfindenden Fotoausstellung über huzulische Bergbewohner wieder zusammen. Mitten in der Vernissage bricht Harun vor dem dort ausgestelltem melancholisch anmutendem Hochzeitsfoto Marias schmerzvoll zusammen, woraufhin ihn das plötzlich aufflammende Interesse der anwesenden Berliner Presse und Fernsehanstalten in die Schlagzeilen der medialen Welt bringt. Dank einer sich daraus entwickelnden Titelstory des Sternmagazin finanziell besser ausgestattet, versucht Harun Maria, wie versprochen, aus der unglücklichen Zwangsehe mit dem Hirten zu befreien.

Rezension "Limes" von Thomas Kunze

Atemberaubende Geschichte!
Epilog: Es begann mit einer Lesehemmung. So, wie ein Schriftsteller mitunter eine Schreibhemmung hat, hatte ich im Herbst diesen Jahres eine Lesehemmung. Den neuen John Irving „Straße der Wunder“ begonnen und nach 130 Seiten liegen gelassen. Dann der Tipp eines Freundes, unbedingt Donna Tartts „Der Distelfink“ zu lesen, wo ich nach ca. 150 Seiten abgestorben bin. Danach Manfred Lürtz „Wie Sie unvermeidlich glücklich werden – eine Psychologie des Gelingens“ (das war dann dringend nötig), aber auch an diesen 192 Seiten habe ich mich noch nicht vollständig abgearbeitet, so dass die Voraussetzungen für das Lesen eines weiteren Buches, zumal eines über Flucht, Osteuropa und die Karpaten, denkbar schlecht waren.
Der Autor ist ein echter Kenner des Lebens der Maramuresch und dessen Geschichte, der seit vielen Jahren dort lebt, gewissermaßen zwischen den Welten pendelt und seit 15 Jahren das bemerkenswerte Maramuresch- Filmarchiv aufgebaut hat. Ich war in Obcina, dem Dorf, das im Buch eine entscheidene Rolle spielt, ich glaube sogar einige der handelnden Personen erkannt zu haben, nur: Sympathie für Land und Leute reichen nicht aus, um Geschichten über diese gut zu finden. Da muss eine packender Plot her, der von interessanten und manchmal auch widersprüchlichen Personen bevölkert wird, da braucht es mehrere Handlungsstränge, die sich elegant und manchmal auch überraschend miteinander verbinden, da braucht es Hintergrundwissen zur Geschichte und Kultur der Länder, die im Buch bereist oder durchmessen werden, und es braucht auch Aha-Effekte, die den Leser ereilen und inne halten lassen, die ihn zum Nachdenken anregen, zum Staunen, aber auch Wut und Entsetzen anregen können.
Und all das hat dieses Buch, „Limes“ schlug mich einfach in den Bann. Hier stoßen mehrere Lebenslinien aufeinander: das westeuropäische Berliner Leben von Frank und Sarah (die sich den Luxus leisten können, durch die Welt zu reisen, um andere Länder und Kulturen kennen zu lernen), das abgeschiedene harte und bäuerliche Leben der Huzulen Timoftei und Motria im Bergdorf Obcina (für die ein Abstieg ins Tal schon eine Reise in eine fremde Welt ist), die Flucht der drei jungen Syrer über die transkarpartischen Berge nach Mitteleuropa (die unfreiwillig reisen, und nicht immer wissen, wo sie sind und ob sie jemals ankommen werden), und das alles ist verwoben mit den lokalen Gegebenheiten und Verrücktheiten, ob es Schmuggler, korrupte Grenzbeamte, Zwangsheirat oder die deutsche Flüchtlingsbehörden sind, so dass da im wahrsten Sinne des Wortes Welten aufeinander stoßen, die Gewissheiten auf den Prüfstand stellen und hinterfragen.
Es ist eine fulminante Geschichte in vielen kurzen Kapiteln, die Spannung erzeugt und hoch hält, voller Überraschungen und in einer Sprache, die mir sehr gut gefällt. Beim Lesen lief bei mir ständig das Kopfkino, weil ich vieles geographisch zuordnen konnte und die handelnden Personen sich sehr klar herauskristallisierten. Ich habe das Buch innerhalb von wenigen Tagen durchgelesen und nach dem Ende des letzten Kapitels erst mal tief durchgeatmet. Endlich mal wieder eine atemberaubende Geschichte von der ersten bis zur letzten Seite durchgelesen.