Orthodoxe, Katholiken, Evangelisten, Adventisten, Zeugen Jehovas, Methodisten, Pentikostalisten, wenige Juden und ein paar russisch-orthodoxe Grüppchen (Ruthenen) haben sich in der Marmarosch zusammengefunden.

Jede Glaubensrichtung ist mehr oder weniger aktiv auf Seelenfang. An den Wochenenden sind in Oberwischau und den angrenzenden Tälern Missionare im Auftrag ihrer Herren unterwegs. Sie verteilen Werbebroschüren, Videokassetten, verstricken mehr oder weniger aufdringlich ihre Gastgeber in religiöse Themendiskussionen und hoffen dann, nicht von den ungläubigen Hofhunden zerrissen zu werden. Trotzdem kommt es jeden Sonntag zu groben Beleidigungen und robusten Hinauswürfen.

Ein Glaubenskrieg ist ausgebrochen, und es wird verbissen um jede noch schwankende Seele gekämpft. Neue Gotteshäuser entstehen, kleine und große, hübsche und häßliche. Viele scheinen, gleich den benachbarten bankroten Firmen, nie fertig zu werden. Ein finanzkräftiger Großauftraggeber ist eindeutig die rumänische orthodoxe Kirche. Stark im kommen ist auch die römisch-katholische Kirche. Jahrzehntelang unterdrückt und verboten, sieht sie sich jetzt mit der Tatsache konfrontiert, ihre verlustig gegangenen Kirchen nicht oder nur schwer zurückzuerhalten.

Ein gelungener, katholischer Kirchenneubau, und im Stil einer orthodoxen Holzkirche, verschönert nun das etwas ausgeblichene "Stadtbild" Oberwischaus. Auch zwischen Ober-und Mittelwischau basteln seit einigen Jahren Adventisten an einer eigenen Kirche. Noch trifft man sich abwechselnd zu Hause, doch Sonntags wird spektakulär in aller Öffentlichkeit "gebadet". Unterhalb der etwas überdimensioniert geratenen Brücke ins Weintal werden dann Massentaufen veranstaltet. Da hier die Temperatur des Flußwassers selten über 10 Grad Celsius klettert, und die Maroscher als ausgesprochen wasserscheu zu bezeichnen sind, bedarf es sicher beträchtlicher Überzeugungsarbeit, sie zu diesem Schritt zu bewegen.

Die Zipser sind und bleiben katholisch. Ihre Kirche steht unverrückbar im Zentrum von Oberwischau/Viseu de Sus, und füllt sich an Feiertagen und zu ähnlichen Anlässen beachtlich. Der religiöse Höhepunkt ist eindeutig Weihnachten und Silvester zu erleben. Dann überschlagen sich die Ereignisse, und die alltäglichen Gottesdienste im sich mehr und mehr leerenden Kirchenschiff können vergessen werden. Wochenlange Vorbereitungen müssen an diesen Tagen umgesetzt, und das von allen geliebte Herodesspiel theatralisch aufgeführt werden. Dann kommen auch die rumänische Nachbarn, aber ihren orthodoxen Glauben lassen sie bei diesem Spektakel nicht zu Hause ...