Das Brauchtum ist fester Bestandteil und lebendiges Bedürfnis breitester Bevölkerungsschichten in der Marmarosch. Der Unterschied zu mitteleuropäischen Formen besteht darin, daß hier nicht mediales oder touristisches Interesse die Leute dazu anregt, ihren überlieferten Bräuchen nachzugehen. Vermarktung und Verwurstung sind weitestgehend hinter den Gebirgspässen geblieben, obwohl es nicht an Versuchen fehlt, die Dimension alter Bräuche und Traditionen politisch zu instrumentalisieren. Ein junger Staat wie Rumänien hat damit auch heute noch seine Probleme, nationalistischen Fettnäpfchen zu entspringen.

Die Maroscher sind da sehr gefährdet, denn sie gelten als die legitimen Nachkommen der "freien Dazier" . Rumänische Ethnologen und solche, die gerne im aufgewühlten Fahrwasser dieser Wissenschaftler mitfahren, sehen in den Gesichtszügen der Bewohner dieser Gegend die typischen, alten dazischen Charakteristiken.
Was man ganz sicher in ihren Gesichtern sehen kann, ist die Begeisterung der Menschen für Trachten und Bräuche. Nirgendwo anders widmen so viele Menschen ihre Zeit, ja ihr Leben diesen Dingen. Schöne Tage sind selten im schweren Alltag und Hoffnung auf Besserung wurde immer wieder enttäuscht. Die eigenen, natürlich religiös begründeten Bräuche werden nicht nur zu Feiertagen erklärt, sie müssen auch strikt befolgt werden. Wer sie mißachtet oder einfach keine Zeit zu haben vorschiebt, wird meistens sofort von einem Unfall oder sonstigem, nicht wieder rückgängig zu machenden Schaden getroffen.

Weihnachten und Neujahr erklingen überall die "colind"-Lieder, wo in höchsten Tönen die Geburt des Heilands gepriesen wird. Große Menschengruppen, die Masken tragen, ziehen lauthals mit Trommeln und Glocken, Peitschen und Alphörnern durchs Dorf. Kinder laufen von Haus zu Haus und führen kleine Spiele und Tänze vor, wie "Capra" (die Ziege) oder "Ursul" (der Bär), die Urelemente des Volkstheaters sind und biblischen Geschichten entnommen wurden. Es gibt die Frühlingsfeste, den "Sangeorz"(Heilige Georg), Hirtenfeste im Mai "sambra oilor", ein Bergfestival "Hora de Prislop" und vieles mehr. Jede Nationalität hat ihre eigenen, ganz speziellen Bräuche. Die Zipser können ihren Bräuchen, aufgrund der sie stark dezimierenden Auswanderung unmittelbar nach dem Umsturz, nur noch sehr eingeschränkt nachgehen. Ihr "Herodes-Spiel" ist aber immer noch sehenswert.